OJA - Offene Jugendarbeit

OJA - Offene Jugendarbeit

 

1.1 Ziele der Offenen Jugendarbeit

Persönlichkeitsentwicklung

  • In der OJA steht der junge Mensch mit seiner Entwicklung im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein wesentliches Ziel der OJA ist die Förderung der jeweiligen Persönlichkeit im Bereich der Eigenständigkeit, der Eigenverantwortung, des Selbstbewusstseins und der Selbstermächtigung. In der OJA werden Raum und Möglichkeit geschaffen sich in diesen Bereichen auszuprobieren, diese zu erleben und dadurch zu lernen. Die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit umfasst eine große Bandbreite, die von personalen, sozialen, kulturellen, politischen bis hin zu interkulturellen und Gender-Kompetenzen reicht und von den JugendarbeiterInnen in den Blick genommen werden.

Vision:Junge Menschen sind eigenständig und eigenverantwortlich und bewegen sich selbstbewusst durch die Gesellschaft.

Identitätsentwicklung

  • OJA unterstützt junge Menschen dabei, ihre Rolle in der Gesellschaft zu finden. Dabei hat die Auseinandersetzung mit Werten und Orientierungen, die die jugendlichen Lebenswelten betreffen, eine wesentliche Bedeutung. Weiters fördert die OJA die Entfaltung von Jugendkulturen. Dabei stehen die Stärkung von Selbstorganisationsprozessen sowie die Entwicklung einer eigenständigen kulturellen und gesellschaftlichen Identität im Vordergrund. Das Nachdenken und Reflektieren über die eigene Identität, deren Ausrichtung und Grundlage wird unterstützt.

Vision: Junge Menschen entwickeln eine reflektierte Identität und tragen somit zur kulturellen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung bei.

      

Handlungskompetenz

  • OJA erweitert die Handlungskompetenzen der jungen Menschen, indem Bildungsprozesse gezielt gestaltet und gefördert werden. Einen wesentlichen Aspekt stellt hierbei die kognitive Bildung dar. Dabei geht es um die Aufnahme, das Verarbeiten, das Reflektieren und das Umsetzen von Informationen.

Vision: Junge Menschen übernehmen aktiv Verantwortung in der Gesellschaft – im privaten, gewerblichen, kulturellen und politischen Geschehen.

Gemeinschaftsfähigkeit

  • Die OJA fördert die Gemeinschaftsfähigkeit in drei Teilbereichen. Im Bereich der Kommunikation werden eine persönliche Sprache und die eigene Authentizität gefördert und gefordert. Im Bereich der Interaktion steht die OJA für einen wertschätzenden und respektvollen Umgang untereinander und im Bereich der Kooperation orientiert sich die OJA an den jeweiligen Stärken und Schwächen der jungen Menschen und fordert die Einhaltung von vereinbarten Verbindlichkeiten ein.

Vision: Der gesellschaftlichen Zusammenhalt wird gestärkt, indem junge Menschen Verantwortung   für sich und andere übernehmen.

Ein Konzept entwickelt mit der Tiroler Jugendgemeindeberatung im Auftrag vom Land Tirol

       Gesellschaftliche Teilhabe

Gesellschaftliche Teilhaben

  • OJA trägt zur Verteilungsgerechtigkeit insbesondere auch durch das Zur Verfügung stellen von Ressourcen und Möglichkeiten bei. Zudem greift sie gesellschaftspolitisch relevante Themen auf und setzt bewusste Aktivitäten, um jungen Menschen Platz zu geben und Mitbestimmen und Mitgestalten innerhalb unserer Gesellschaft zu befähigen. Schaffung und Förderung geeigneter Rahmenbedingungen für junge Menschen sind ein wesentliches Ziel von OJA:

Vision: Junge Menschen erfahren Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Dies trägt zu sozialem Frieden und gesellschaftlicher Stabilität bei.

Sprachrohrfunktion

  • Durch die Niederschwelligkeit und Nähe zu den Jugendlichen erfahren JugendarbeiterInnen direkt von den Bedürfnissen und Problemlagen der Jugendlichen. Die OJA sieht hier ihre Aufgabe nicht nur in der direkten Arbeit mit den Jugendlichen, sondern auch in der Weitervermittlung der Bedürfnisse und Problemlagen, im Aufzeigen der Anliegen von Jugendlichen hin zur Gesellschaft, Politik und anderen sozialen Institutionen. OJA übernimmt somit eine Anwalts- bzw. Vermittlerfunktion zwischen Jugendlichen und Gesellschaft, indem sie die Bedürfnisse der Jugendlichen öffentlich formuliert und sich für deren Erfüllung einsetzt.

Vision: Die Bedürfnisse und Problemlagen von Jugendlichen werden der Gesellschaft sichtbar und Lösungen dafür werden gemeinsam gesucht.

1.2 Handlungsziele und –Prinzipien

  • Als Grundlage aller Prinzipien und somit Basis der Arbeit steht der/die Jugendliche als ganze Person. Die OJA hat diese ganze Person im Blickfeld: die Stärken und Schwächen, die Entwicklungspotenziale und –grenzen, den Sozialraum der Person, das System in dem sie sich befindet. Lebensweltorientierung und Sozialraumorientierung verstehen sich somit als Querschnittsmaterie der Arbeitsprinzipien.

Beziehungskontinuität und Dialog

  • Drehscheibe der OJA ist die gleichwürdige Beziehung zwischen JugendarbeiterInnen und Jugendlichen. Diese Beziehung benötigt grundsätzlich Zeit, Kontinuität und Raum. Dadurch werden Aushandlungsprozesse und Begegnungen ermöglicht. Voraussetzung dabei ist, dass sich JugendarbeiterInnen als Person zur Verfügung stellen. Sie begegnen Jugendlichen, sind an-greifbar, erlebbar, gehen auf Augenhöhe, zeigen Interesse und Wertschätzung. OJA ist auch für junge Menschen da, wenn sie Grenzen übertreten haben. Durch das Arbeitsprinzip der „Kontinuität in der Beziehung“ im Sinne einer „Kultur der 2., 3., 4. Chance“ erlebt der junge Mensch Konsequenzen seines Handelns nicht als endgültige Reaktion, sondern auch als Angebot, sich fachlich begleitet (persönlich) weiterentwickeln zu können. Dadurch erlebt er/sie eine Differenzierung zwischen ihm/ihr als Person und seinem/ihrem Tun.

​Offenheit

  • Die wesentliche Grundhaltung der OJA ist die der doppelten Offenheit: Zum einen ist dies ein permanenter aktiver Prozess der Öffnung hin zu den Jugendlichen durch Interesse, Hinzugehen und ein „Offenes-Ohr-Haben“. Zum anderen hat die OJA den Gestus der Einladung und des Willkommenseins. Die Zielgruppen bestimmen die Angebote und die Ergebnisse, es ist ihr Raum. Um die Angebote der OJA in Anspruch zu nehmen, müssen junge Menschen keine spezifischen Voraussetzungen erfüllen und nicht zwingend die Kontinuität ihrer Mitarbeit oder Anwesenheit gewährleisten.

Ein Konzept entwickelt mit der Tiroler Jugendgemeindeberatung im Auftrag vom Land Tirol

Akzeptierende Grundhaltung

  • Eine akzeptierende Haltung nimmt zunächst die aktuelle Verfasstheit der Jugendlichen ernst. Aus der subjektiven Sicht der Jugendlichen machen ihre Denk- und Verhaltensweisen Sinn. Das Ernstnehmen der jugendlichen Hintergründe und Motive ist Basisvoraussetzung für eine Auseinandersetzung mit Jugendlichen, Voraussetzung für die Möglichkeit der Veränderung. Akzeptanz bedeutet aber nicht ein Gutheißen jugendlicher Denk- und Verhaltensmuster ebenso wenig eine Entschuldigung unter dem Hinweis auf ihre schwierige Lebenssituation. Akzeptanz jugendlicher Denk- und Verhaltensmuster und notwendigen Grenzziehungen in Form von wertschätzender Konfrontation müssen in einer adäquaten Balance stehen.

Parteilichkeit

  • OJA stellt sich klar auf die Seite der Jugendlichen und hat die Funktion, Interessen, Bedürfnisse und Lebenswelten, Potenziale und insbesondere Rechte von jungen Menschen in der Interaktion mit der Gesellschaft sichtbar zu machen, aber auch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse offenzulegen. Die Parteistellung bezieht sich auf einzelne Jugendliche, auf Gruppen und Cliquen sowie auf Jugendliche allgemein gegenüber Eltern, Polizei, Gerichte, Schulen, Betrieben, Gemeinwesen etc. Die OJA ist bemüht auf einer fachlichen Ebene und auf Basis einer guten Vernetzung Rollenklarheit herzustellen und die jeweiligen Rollenaufträge und -zwänge zu respektieren.

Freiwilligkeit

  • Jugendliche entscheiden im Rahmen der OJA eigenständig, was sie wann, wo und auch mit welcher Motivation in Anspruch nehmen, selber gestalten oder fordern und in Folge auch umsetzen möchten. Freiwilligkeit in unserem Verständnis bedeutet auch, dass der Auftrag immer von den Jugendlichen selbst kommt. Die Aufgabe der JugendarbeiterInnen ist es, Jugendliche bei der Umsetzung dieser „Aufträge“ zu begleiten. Somit ist weniger die Zielerreichung Auftrag der OJA als die Prozessbegleitung. Dadurch können Jugendliche lernen, ihre Welt selbst nach ihren Werten und Ansichten zu gestalten.

Niederschwelligkeit

  • OJA versteht sich in der Konzeption, Wahl und Gestaltung ihrer Angebote als niederschwellig. Der Anspruch der Niederschwelligkeit bedeutet den einfachen und freien Zugang zu den Angeboten auf verschiedenen Ebenen. Eine der zentralsten Ebenen ist jene, der „Kostenlosigkeit“. OJA versteht sich als Konsumfreier Raum, in dem Jugendliche sich ohne Mitgliedschaft und Kosten aufhalten könne. Weiters versteht sich Niederschwelligkeit auch in Bezug auf Sprache. Die Angebote und Einladungen sowie die Gespräche selbst werden auf das Niveau der/des Jugendlichen hin ausgerichtet. Defizite wie Leseschwierigkeiten oder Sprachprobleme sollen kein Ausschlusskriterium sein. Durch die Flexibilität der OJA kann auch zeitlich auf die Bedürfnisse von Jugendlichen eingegangen werden. Das Ausmaß der Flexibilität hängt einerseits von der Ausprägungsform und andererseits vom Einrichtungskonzept ab.

Intersektionalität

  • OJA berücksichtigt die unterschiedlichen Lebenssituationen von Jugendlichen. Sie nimmt auf soziale Zuweisungen Bezug und analysiert diese im Kontext von gesellschaftlicher Hierarchisierung, Marginalisierung und Diskriminierung. Zentral dabei ist eine Sensibilität der JugendarbeiterInnen, die den Zusammenhang von Gleichheit und Ungleichheit in Bezug auf gesellschaftliche Machtverhältnisse reflektiert. Neben Kategorien wie Geschlecht, Hautfarbe, Befähigungen und unterschiedlicher gesellschaftlicher Positionen werden dadurch im Besonderen soziale Ungleichheiten reflektiert und damit Teil der Arbeitsbeziehung.

Partizipation

  • Die Beteiligung junger Menschen an Gestaltungsprozessen, die Unterstützung ihrer Selbstorganisationsfähigkeit und der Artikulation ihrer Interessen in unterschiedlichen Zusammenhängen (persönliche Interessen, lebensweltspezifische Interessen, gesellschaftliche und politische Interessen) stellt als Förderung ihrer Partizipation ein wichtiges Handlungsprinzip der OJA dar.

 

Ein Konzept entwickelt mit der Tiroler Jugendgemeindeberatung im Auftrag vom Land Tirol

                       (entnommen aus dem Handbuch OJA Tirol: www.pojat.at/fileadmin/downloads/pojat_handbuch_a4.pdf)

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